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Bandoneon Festival Krefeld

Das Bandoneon - ein Krefelder Instrument

Die Geburtsstunde des Bandoneons liegt in der Mitte des 19. Jahrhunderts. „Seit dem Jahre 1845", so schreibt der Krefelder Instrumentenhändler Heinrich Band (1821-1860) selbst in einem teilweise erhaltenen Prospekt, habe er daran gearbeitet, das „Accordion" zu verbessern. Dem verbesserten Instrument „sei der Name Bandonion beigelegt worden."

1844 wirbt er erstmals in der Krefelder Tagespresse für „56tönige Accordions". Bei diesen Instrumenten muss es sich um Concertinas gehandelt haben, die Band aus Sachsen und sehr wahrscheinlich vom Erfinder der Concertinas, Carl Friedrich Uhlig aus Chemnitz, bezogen hat. Uhlig hatte die Concertina auf Basis des schon vorher existierenden Accordions entwickelt. Damit erklärt sich, dass Band zunächst diesen Namen für das Instrument benutzt

Am 10.12.1850 ist in einer Zeitungsanzeige Heinrich Bands erstmals von einer „Erfindung und neuen Construction" die Rede, dies ein Hinweis auf Veränderungen, die Band an der Concertina vorgenommen hat. Diese beziehen sich sowohl auf den Tonumfang als auch auf eine andere Anordnung der Tastatur. Letztere wird später als „rheinische Lage" bezeichnet, in Abgrenzung zur „Chemnitzer -" und „Carlsfelder Lage" der Concertinas.

In einer Anzeige vom 12.8.1855 wirbt Band erstmals selbst für Bandonions, eine Wortneuschöpfung, die mit Bands Familiennamen beginnt. Allerdings baut der Setzer der Tageszeitung zwei Fehler in den Begriff ein, und so steht da „Bandaninos" zu lesen. Durch Bands „Umbau" wurde aus der Concertina jedenfalls das Erfolgsinstrument Bandonion, das bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein in der Arbeiterschaft als „Feierabendinstrument" sehr beliebt war - um in der Funktion als „Klavier des kleinen Mannes" dann doch wieder vom Accordion verdrängt zu werden.

Überlebt hat das Bandonion seinen Niedergang in Europa mit der veränderten Schreibweise Bandoneon, weil es sich in Südamerika zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum Hauptinstrument des Tangos entwickelt hat. Durch die Renaissance dieser südamerikanischen Musik in Europa - ausgelöst nicht zuletzt durch den Tango Nuevo des Astor Piazzolla - geriet das Bandoneon in den 1970er und 1980er Jahren auch auf seinem Ursprungskontinent wieder in den Blickpunkt.

Das Kulturbüro hat 1985 zum ersten Mal ein Bandoneon-Festival veranstaltet, seit 1996 bietet es die Konzertreihe im zweijährigen Rhythmus an.