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Museen Haus Lange und Haus Esters

Gartenseite des modernen Backsteinhauses mit seinen vielen großen, rechtwinkligen Fenstern.

Das Villenensemble Haus Lange und Haus Esters zählt zu den architektonischen Glanzlichtern des Neuen Bauens in Deutschland und vermittelt noch heute auf beeindruckende Weise den Bauhaus-Gedanken, der die Einheit von Raum und Subjekt ebenso wie das Zusammenwirken von Geist und Handwerk vorsah. Der Architekt Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969), der seit Ende der zwanziger Jahre Weltruhm erlangte, legte 1927 den Bauherren Hermann Lange und Josef Esters eine erste Entwurfszeichnung vor. 1930 wurden die Häuser von den Familien Lange und Esters bezogen.

Die Konstruktion der Backsteinvillen wird durch Stahlträger unterstützt, die zu einem großen Teil waagerecht in den Böden des ersten Geschosses liegen. Um ein autonomes Stahlgerüst handelt es sich dabei allerdings nicht, wenn auch der Backsteinhaut selbst keine tragende Funktion zukommt. Einzelne kubische Baueinheiten scheinen wie Schachteln zusammengesteckt. Im Innern greifen einzelne Raumsegmente ineinander über. Zur Straßenseite hin wirken die Gebäude relativ geschlossen und kompakt. Auf der Rückseite staffeln sich die kubischen Elemente treppenstufenförmig, ausgehend von der schmalsten Seite im Westen nach Osten, wobei das Raumvolumen zunimmt. Unterhalb der selbst geometrisch gegliederten Terrasse bestimmen große Rasenflächen und der alte Baumbestand den naturhaften Eindruck der parkartig angelegten Gärten. Große Fensterfronten, die durch die Stahlkonstruktion möglich wurden, öffnen die Backsteinkörper zur äußeren Umgebung hin und lassen das Licht von Süden und Westen in die Räume fluten.

Vorderansicht des modernen Backsteinbaus mit Auffahrt.Im Inneren deuten umlaufende Bilderleisten an den Wänden noch heute an, dass die damaligen Eigentümer Lange und Esters selbst Sammler zeitgenössischer Kunst waren und die Räume mit Gemälden ausstatteten. Hermann Lange wie auch Dr. Josef Esters waren Direktoren der Verseidag, eines Zusammenschlusses mehrerer Krefelder Textilunternehmen. Hermann Lange war zudem Mitglied im Deutschen Werkbund und unterstützte die Bemühungen des damaligen Museumsdirektors Friedrich Deneken (1857-1927), Kunst, Handwerk und Wirtschaft zusammenzubringen. Wohl über den Berliner Galeristen Carl Nierendorf lernten sich Hermann Lange und Ludwig Mies van der Rohe 1927 kennen.

Seit 1955 wird Haus Lange und seit 1981 Haus Esters als Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst durch die Kunstmuseen Krefeld genutzt. Ulrich Lange (1905-1972), der Sohn des Bauherrn, schenkte in einer großzügigen Geste 1968 der Stadt Krefeld sein Haus, um damit diesen Ort für zeitgenössische Kunst in Krefeld fest zu installieren.

Basierend auf der Privatinitiative Krefelder Bürger und gefördert durch das Land Nordrhein-Westfalen sind beide Häuser zwischen 1998 und 2000 umfassend saniert worden. Im Zuge der "Euroga 2002+" konnten zwei Jahre später auch die Gärten dem ursprünglichen, ebenfalls auf Mies van der Rohe zurückgehenden Konzept wieder weitgehend angenähert werden. Werke von Ludger Gerdes ("Ichs", 1989), Richard Long ("Turf Circle", 1969/70), Ulrich Rückriem ("Granit", 1985) und Richard Serra ("Elevations for Mies", 1985) bereichern heute die kleine Parkanlage. Im Grünbereich vor den Häusern befinden sich Arbeiten von Claes Oldenburg ("Cross-section of a Toothbrush with Paste", 1981-1983) und David Rabinowitch ("Metrical (Romanesque) Construcions in 5 Masses and 2 Scales VI", 1977/78). Im Wirtschaftshof von Haus Esters befindet sich die Bronzeplastik "Frau" (2000) von Thomas Schütte, und der Schriftzug "SPANNUNG GENUG / EINEN STEIN ZU HALTEN / ÜBER DEM RHEIN" (1985) über dem Eingang desselben Hauses stammt von Lawrence Weiner.

Die Museen Haus Lange und Haus Esters sind zu den wechselnden Ausstellungen geöffnet. Während der Umbauphasen zwischen den Ausstellungen bleiben die Häuser geschlossen.