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Bandoneon Festival Krefeld

Vor nunmehr über 150 Jahren entwickelte der Krefelder Heinrich Band das nach ihm benannte Bandoneon.

1821 in Krefeld geboren übernahm Heinrich Band das kleine Musikaliengeschäft seines Vaters, 1844 inserierte er erstmals 40-56 tönige Accordions, die wieder eingetroffen seien. Dass Band diese Instrumente aus Sachsen bezog, ist unstrittig, aber er verkaufte diese Instrumente nie als Bandonions, den Namen gab es noch nicht.

Heinrich Band begann, Veränderungen an den gelieferten Instrumenten vorzunehmen. Er lebte in einer Zeit, die geradezu versessen war auf neue Klangfarben und Instrumente. 1848 heißt es in einer Anzeige von Heinrich Band, "durch eine neue Erfindung haben wir unsere Accordien wieder bedeutend vervollkommnet". Es ist belegt, das der Absatz sich sprunghaft gesteigert hat und ein Konkurrent von Band, Heinrich Schmitz, glaubte, auf den Zug geschäftlichen Erfolgs aufspringen zu können. Er inseriert "Accordion's und Concertina's, die von einigen auch wohl Bandonions genannt werden". Dies verdeutlicht, daß "Bandonion" zu einer Qualitätsbezeichnung innerhalb der Harmonikainstrumente geworden ist, die von den normalen Accordions aus Sachsen unterscheiden soll.

Das erste Bandoneon gelangte wahrscheinlich 1855 nach Amerika, allerdings nicht in das damals noch tangofreie Argentinien, sondern in die USA. Ein Krefelder Auswanderer, Wilhelm Seyffardt, bat seinen Bruder, er möge ihm doch ein Accordion schicken, und zwar auf jeden Fall ein "Bandonion".

Irgendwann und irgendwie gelangte das Bandoneon nach Südamerika. Eine der zahlreichen, aber nicht mehr belegbaren Legenden über den Weg des Instruments nach Argentinien berichtet von einem englischen Matrosen, der es statt des geforderten Liebeslohns in einem argentinischen Bordell hinterließ. Seine Modulationsfähigkeit, Ausdruckskraft und Klangfarbe machten das Bandoneon zum "leading instrument in modern Argentine tango orchestras", wie die Enzyclopaedie Britannica anmerkt. Ein Kenner des Tangos sagte: "Buenos Aires hat seit seiner Entstehung auf das Bandoneon gewartet, so wie die Pampa seit tausenden von Jahren auf das Pferd". In Buenos Aires entstand die erste Hochburg des Tangos um 1910 in dem Hafenviertel La Boca.

In Deutschland wurde das Bandoneon schnell zu einem geselligen Instrument. Die Spieler schlossen sich zu Vereinen zusammen, diese zu Bünden. Bald gab es öffentliche Konzertveranstaltungen, Wettspiele, Partnerschaften zwischen Brudervereinen, Bundestage mit Großkonzerten und Abschlußbällen, Fachzeitschriften, sogar Unterstützungskassen für gestohlene und beschädigte Instrumente.

Nach 1930 verliert das Bandoneon in Deutschland an Bedeutung. Das gleichtönige Pianoakkordeon wird beliebtestes Harmonikainstrument in Europa. Die großen südamerikanischen Tangointerpreten aber spielen weiterhin auf ihren alten, geliebten Bandoneons.

Das Kulturbüro möchte mit dem Bandoneon-Festival die Verbindung zwischen dem Krefelder Heinrich Band und dem Hauptinstrument des Tangos aufzeigen. Nach einem Festival 1985 wurde das Thema wieder im Jahre 1996 aufgenommen und erzielte eine so große Resonanz bei Publikum und Fachwelt, so dass seitdem alle zwei Jahre ein Bandoneon-Festival das kulturelle Leben Krefelds bereichert. 2012 konnte mit finanzieller Unterstützung des Landschaftsverbandes Rheinland und der Kulturstiftung der Sparkasse Krefeld die Konzertreihe um die Ausstellung "Krefeld. Band. Bandoneon" erweitert werden, die in Kooperation mit dem Museum Burg Linn präsentiert wurde.