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Pflegestützpunkte in Krefeld

Seit dem 01.07.2010 gibt es in Krefeld drei Pflegestützpunkte. Diese neuen Beratungsangebote unterstützen bei allen Fragen rund um das Thema Pflege.

Seniorenbeirat der Stadt Krefeld


Inhalt

Was ist Demenz?

"Ver-rückte Welt" Demenz: Leben und Arbeiten mit demenzerkrankten alten Menschen - Wissen über die Geschichte des betroffenen Menschen fördert das Verständnis

Gustav H. ist 86 Jahre und verwitwet. Manchmal verlässt er das Haus und geht mit der Aktentasche unter dem Arm zur Arbeit. Ab und zu kommt es vor, dass er dann den Heimweg nicht mehr findet. Manchmal bringt ihn die Polizei zurück, wenn Passanten auf den hilflosen verwirrten Mann in der Fußgängerzone aufmerksam geworden sind. Auch zu Hause fällt es ihm immer schwerer sich zu orientieren. Seine Tochter redet er mit "Sie" an: "Beehren Sie mich bald mal wieder". Dann möchte er nach Hause zu Mutter und Vater, die auf ihn warten und sich große Sorgen machen, weil es draußen schon dunkel ist.

Gustav H. war vor seiner Pensionierung einmal leitender Angestellter in einer großen Bank. Er war für seine hervorragende Personalführung bekannt und für sein Verhandlungsgeschick berühmt. Er führte eine glückliche Ehe und hat eine Tochter. Mit 70 bemerkte er erste Konzentrationsschwierigkeiten, die sich im Laufe der Jahre verstärkten. Mit 75 Jahren wurde eine beginnende Alzheimersche Krankheit diagnostiziert. Die Medikamente verlangsamten den Krankheitsverlauf, aufhalten konnten sie ihn aber nicht. Immer wieder machte er sich nachts auf den Weg zu seiner Arbeitsstelle und verließ das Haus im Pyjama. Die Toilette fand er nicht mehr und den Elektroherd vergaß er auszustellen. Seine Tochter kommt immer wieder an die Grenze der Belastbarkeit. Und die Sorge um die Gesundheit und den Verstand des Vaters wächst von Tag zu Tag.

 

Was ist eine Demenz?

Der Begriff Demenz kommt aus dem Lateinischen und beinhaltet die Wortteile "De" (weg) und "mens" (Geist bzw. Verstand). Die wörtliche Übersetzung lautet: "ohne Geist sein". Mit Demenz wird eine krankheitsbedingte umfassende Störung der höheren Hirnfunktionen bezeichnet. Die Störung und der Verlust der Hirnfunktionen sind fortschreitend, gehen oft über in eine Sprachunfähigkeit und führen meist zu einer umfassenden Pflegebedürftigkeit. Schon leichte Demenzen werden oft von Depressionen begleitet.

Die bekannteste und am häufigsten auftretende Form (ca. 60%) der Erkrankung ist die Alzheimersche Krankheit. Ihr Entdecker war der 1865 in Marktbreit in Unterfranken geborene Mediziner Alois Alzheimer.

Alzheimer arbeitete zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in Frankfurt am Main.

Nach dem Tode einer Patientin sezierte Alzheimer ihr Gehirn und entdeckte das, was er einen "eigenartigen Krankheitsprozess" nannte, denn Teile der Hirnrinde waren verändert - genau die Stellen, die Gedächtnis, Orientierung und das Gefühlsleben ermöglichen.

Eine Heilung und das Aufhalten der Erkrankung sind zurzeit noch nicht möglich. Ein frühzeitiges Erkennen und rechtzeitige medizinische Behandlung verlangsamt aber den Abbauprozess.

Eine zweite Form der Demenz ist die vaskuläre Demenz (vaskulär bedeutet "die Gefäße betreffend"), die mit Durchblutungsstörungen, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, zu tun hat. Diese Form kommt ca. zu 15 - 20 % vor. Diese Störungen verhindern, dass manche Teile des Gehirns ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. Diese Art von Demenz verschlechtert sich im Gegensatz zur Alzheimer-Demenz nicht zwangsläufig immer weiter. Darüber hinaus gibt es etwa 15 % Mischformen.

Bei weiteren Formen von Demenzerkrankungen liegen Grunderkrankungen im Stoffwechsel, Vitamin- oder Flüssigkeitsmangelzustände, Alkohol- oder Tablettensucht vor. Unter Umständen sind diese Grunderkrankungen heilbar und die Beschwerden zuweilen rückbildungsfähig.

Viele demenzkranke Menschen haben Einschränkungen, dies können sein:

  • Störungen des Kurzzeitgedächtnisses
  • Unfähigkeit, Neues zu erlernen
  • Probleme mit Sprache und Wortfindung
  • Unfähigkeit, Informationen im Langzeitgedächtnis abzurufen
  • Abbau intellektueller Leistungen, wie z.B. abstraktes Denken
  • Veränderung der Persönlichkeit.

Die Krankheit Demenz wird in die Stadien leicht, mittelschwer und schwer untergliedert.

Von einer leichten Demenz spricht man, wenn

  • aktuelle Ereignisse oder neue Informationen zeitweise oder ganz vergessen werden,
  • die zeitliche und örtliche Orientierung beeinträchtigt ist,
  • die tägliche Lebensführung nicht mehr ohne Fehler oder allein bewältigt werden kann.

Bei einer mittleren Demenz sind die obengenannten Kriterien stark gestört. Im Rahmen der mittelschweren Demenzen beginnen meist die Verhaltensstörungen.

Ein völliger Verlust der vorgenannten drei Grundfähigkeiten sowie Störungen der motorischen und vegetativen Funktionen kennzeichnen die schwere Demenz.

Bei allen Formen der Demenz gilt: je früher mit der medizinischen Behandlung begonnen wird, um so größer ist der Erfolg der medikamentösen Therapie.

Von den zur Zeit ca. 900.000 mittel und schwer Demenzkranken in Deutschland leben ungefähr 350.000 in der stationären Altenhilfe. Nimmt man dann noch die ca. 350.000 leicht erkrankten Menschen hinzu, kommt man zu einer Gesamtzahl von über 1,2 Millionen Menschen. Pro Jahr werden ca. 200.000 Neuerkrankungen erwartet, wobei die Betroffenen meist über 80 Jahre alt sind.

Tipp: Jeder kann von einer Demenz irgendwann selbst betroffen sein. Es ist wichtig, sich im voraus Gedanken über seine persönliche Zukunft zu machen. Legen Sie in einer Vorsorgevollmacht oder in einer Patientenverfügung rechtzeitig schriftlich fest, wer Sie im Falle einer Krankheit versorgen wird.

 

Wie erlebt ein Mensch seine Demenz?

Die Misere der an einer Demenz erkrankten Menschen liegt darin, dass sie zwar die Folgen der Erkrankung erleben, aber dafür keine Erklärung haben. Sie können sich oft nicht eingestehen, dass ihr Geist erkrankt ist. Ihnen bleibt die Möglichkeit verwehrt, sich mit der Erkrankung zu arrangieren. Je weiter der Krankheitsverlauf geht, desto mehr werden verschiedene Verluststadien erlebt.

Das Gedächtnis verliert immer mehr Anteile, wie bei einer Salami, bei der Scheibe für Scheibe abgeschnitten wird. Demente gelangen dann schließlich an den letzten "Zipfel" ihrer Kindheit. Die Realität verliert nach und nach an Bedeutung. Die Vergangenheit und die Erinnerung daran gewinnen an Bedeutung. Demente Menschen leben irgendwann dann in ihrer eigenen Realität, einer Welt die aus der unsrigen ver-rückt ist.

Immer öfter geraten Demente in Existenznot. "Wo ist mein Geld?" "Irgendjemand hat mir meinen Wohnungsschlüssel weggenommen" "Wo wohne ich?" "Heute habe ich noch nichts zu Essen bekommen!" Plausible Erklärungen helfen da nicht weiter: "Sie haben doch schon zu Essen bekommen. Ihr Geld haben Sie unter ihrer Matratze versteckt". In dieser Not steigt oftmals die Verzweiflung, wenn sie ihre Defizite bemerken, keine Geborgenheit finden und ihre Gefühle nicht ernst genommen werden.